Eine bahnbrechende Studie, die in Basic & Clinical Pharmacology & Toxicology veröffentlicht wurde, hat Licht ins Dunkel gebracht, wie Alltagschemikalien – darunter Substanzen aus Kunststoffen und Mikroplastik – das menschliche Hormonsystem stören. Forscher um Dr. Janne Hukkanen von der Universität Oulu identifizierten einen bisher unbekannten biologischen Mechanismus, der Umweltgifte mit hormonellen Ungleichgewichten verknüpft.
Der PXR-SHBG-Pfad im Detail
Für die Studie wurden Daten klinischer Versuche analysiert, bei denen gesunden Freiwilligen im Alter von 18 bis 45 Jahren eine Woche lang täglich 600 mg Rifampicin verabreicht wurden. Rifampicin ist ein Antibiotikum, das den Pregnan-X-Rezeptor (PXR) aktiviert, ein Protein, das der Leber beim Abbau von Fremdstoffen hilft. Die Untersuchung zeigte, dass PXR die Produktion des Sexualhormon-bindenden Globulins (SHBG) steuert, welches als Transporter für Hormone wie Testosteron dient.
Nach einer Woche verdoppelten sich die SHBG-Spiegel bei den Teilnehmern. Bei Männern führte dies zu einem Anstieg des Gesamttestosterons, während das freie, aktive Testosteron sank und auch die Schilddrüsenhormone abnahmen. Obwohl Frauen ebenfalls eine Verdopplung des SHBG zeigten, blieben ihre Sexualhormone in dieser kleinen Studie weitgehend unbeeinträchtigt, wenngleich Experten betonen, dass hormonelle Schwankungen im Menstruationszyklus besondere Aufmerksamkeit erfordern.
Bedeutung für die tägliche Exposition
Die Ergebnisse legen nahe, dass viele Umweltgifte wie Pestizide, Flammschutzmittel und Plastikadditive als PXR-Aktivatoren wirken. Obwohl eine komplette Umstellung des Lebensstils überwältigend erscheinen mag, raten Experten zu einfachen Schritten wie dem Ersetzen von Plastikbehältern durch Glas, um die tägliche Chemikalienbelastung schrittweise zu reduzieren.



