In einem historischen juristischen Erfolg für lokale Gemeinschaften und Umweltschützer hat das Südafrikanische Verfassungsgericht dem Energiekonzern Shell und seinem Partner Impact Africa die Offshore-Öl- und Gasexploration vor der unberührten Wild Coast des Landes endgültig untersagt. Das am Freitag verkannte Urteil kippt eine Entscheidung des Berufungsgerichts aus dem Jahr 2024 und hebt die ursprünglich im Jahr 2014 erteilte Erkundungslizenz auf. Damit findet ein fünfjähriger Rechtsstreit ein Ende, bei dem Bürgerinitiativen den Mangel an echter Öffentlichkeitsbeteiligung und die Bedrohung maritimer Ökosysteme kritisiert hatten.
Ein Triumph für Umweltgerechtigkeit
Verfassungsrichter Jody Kollapen betonte im Namen der Mehrheit, dass das Recht auf öffentliche Mitsprache nicht nur eine formelle bürokratische Hürde darstellen darf, sondern die Menschenwürde ins Zentrum entwicklungspolitischer Entscheidungen rücken muss. Organisationen wie Sustaining the Wild Coast, Natural Justice und Greenpeace Africa hatten gegen das Ministerium für Mineral- und Erdölressourcen geklagt, weil betroffene Küstenbewohner bei der Vergabe der Lizenzen übergangen worden waren. Aktivisten wie Siyabonga Ndovela feierten das Urteil als Beweis dafür, dass die Ozeane nicht dem Profitstreben von Bergbauunternehmen überlassen werden dürfen.
Globale Präzedenzwirkung und Klimaverantwortung
Das Gericht stützte sich in seiner Argumentation auf internationale Rechtsstandards und das wegweisende Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zur Klimaverantwortung der Staaten. Die Richter erklärten, dass der Klimawandel keine Landesgrenzen kenne und staatliche Pflichten im Rahmen des Völkerrechts verstanden werden müssten. Experten wie Alessandro Mazzi von der Universität Wageningen werteten das Urteil als unmissverständliches Signal an Investoren, dass ökologische Verträglichkeit und echte Bürgerbeteiligung unverzichtbare Bestandteile verantwortungsvoller Investments sind.
Während Shell erklärte, das Urteil zur Kenntnis genommen zu haben, stellt es einen schweren Rückschlag für Südafrikas Bestrebungen dar, im Rahmen von Operation Phakisa Offshore-Ressourcen zu erschließen. Da auch gegen TotalEnergies an der Westküste rechtliche Schritte laufen, markiert dieser Richterspruch einen Wendepunkt für den Umweltschutz und die Rechtsprechung im südlichen Afrika.



