Ein tiefgreifender politischer Wandel für öffentliche Flächen
Die Trump-Regierung hat offiziell vorgeschlagen, die vor 25 Jahren unter Bill Clinton eingeführte sogenannte „roadless rule“ abzuschaffen. Diese Richtlinie schützt bislang fast 45 Millionen Acres an Nationalwaldfläche in den Vereinigten Staaten vor industrieller Erschließung, Holzeinschlag und Straßenbau.
Das U.S. Department of Agriculture gab bekannt, dass durch die Aufhebung lokale Entscheidungsprozesse Vorrang vor bundesweiten Regulierungen erhalten sollen. Die Landwirtschaftsministerin Brooke Rollins argumentierte, dass die bisherigen Vorschriften zu überwachsenen und krankheitsanfälligen Wäldern geführt und verheerende Waldbrände begünstigt hätten.
Wissenschaftlicher Widerspruch und lokale Befürworter
Führende Waldwissenschaftler widersprechen der Darstellung der Regierung vehement. In einem offenen Brief betonten mehr als 30 Forscher, dass die Entstehungsdichte von Waldbränden in Wildnis- und straßenfreien Regionen historisch am geringsten ist. Daten des National Interagency Fire Center belegen zudem, dass fast 85 Prozent aller Waldbrände von Menschen verursacht werden und sich vor allem in der Nähe von Straßen häufen.
Befürworter des Vorhabens begrüßen den Schritt hingegen als längst überfällig. Greg Gianforte, der Gouverneur von Montana, erklärte: „Die heutige längst überfällige Entscheidung wird Staaten wie Montana befähigen, ein ordnungsgemäßes Waldbewirtschaftungsmanagement auf Bundesland im Sinne der lokalen Gemeinschaften zu verfolgen.“ Allein in Montana sind fast 6 Millionen Acres an föderalem Land von der Regelung betroffen.
Gefahren für die Tierwelt und drohende Klagen
Umweltschützer schlagen Alarm, da straßenfreie Zonen unverzichtbare Rückzugsorte für Grizzlybären, Elche und Maultierhirsche darstellen. Scott Christensen, Geschäftsführer der Greater Yellowstone Coalition, warnte: „Zu der Zeit, in der die Bundesregierung vorschlägt, die Managementhoheit für Grizzlies an die Staaten zu übertragen, entfernt sie genau jene Landschutzelemente, die den Grizzlybären die Erholung vom Rande des Aussterbens ermöglicht haben.“
Eine breite Mehrheit der Bevölkerung lehnt die Aufhebung ab; in einer Umfrage sprachen sich 76 Prozent der Wähler für den Erhalt aus. Rechtshilfeorganisationen wie Earthjustice kündigten bereits Widerstand an. Anwältin Jenny Harbine erklärte: „Wenn die Regierung diesen fehlgeleiteten Vorschlag finalisiert, werden wir sie vor Gericht wiedersehen.“ Der Forest Service nimmt noch bis zum 21. September öffentliche Stellungnahmen entgegen.



